Australien Roadtrip von Melbourne nach Sydney

Über Australien haben wir schon viel gehört und wir freuen uns, das Land selbst zu erkunden. Aber kaum sind wir in Melbourne gelandet, erwartet uns auch schon der erste Schock – unser Gepäck fehlt mal wieder. Nachdem wir über eine Stunde geduldig gewartet haben und schließlich der letzte Koffer vom Gepäckband genommen wurde und wir immer noch mit leeren Händen da stehen, werden wir dann doch etwas nervös. Bis jetzt ging auf Reisen immer alles reibungslos aber vielleicht hat es uns jetzt auch mal erwischt? Aber natürlich geht wieder alles gut, denn eine Mitarbeiterin des Flughafens hat uns entdeckt und verkündet uns fröhlich, das sie nach zwei Backpackern sucht und freut sich uns jetzt gefunden zu haben, wie sie wohl darauf kommt das wir Backpacker sind, sehen wir so aus oder was? 😉 Nachdem wir der Frau kurz gefolgt sind können wir dann auch endlich unsere Rucksäcke in Empfang nehmen, die wohl auf einem falschen Gepäckband gelandet sind. Umso besser, dass der Flughafen den Fehler selbst bemerkt hat. Also nächste Mission, ab nach Melbourne!

Mit dem viel zu teuren Sky Bus, eine wesentlich günstigere Möglichkeit gibt es tatsächlich nicht, fahren wir vom Flughafen in‘s Stadtzentrum, dank Neuseeland sind wir ja aber an stramme Transportpreise gewöhnt (18$ pro Person sind heftig). Es läuft alles gut und wir kommen am Bahnhof in Melbourne in der Nähe des Yarra Rivers an, von hier ist die Innenstadt problemlos per Fuß zu erreichen und natürlich gibt es in der bei Backpackern sehr beliebten Partymetropole Australiens, ein Hostel neben dem nächsten. Wir checken im nächstbesten ein und beziehen unsere Betten im 8 Bettzimmer. Für mehr Luxus und gar ein privates Zimmer ist unser Budget in Melbourne zu klein. Die Stadt ist hip und angesagt und dadurch natürlich wirklich teuer. Trotzdem sind wir erstmal von der Professionalität des Hostels geflasht, die riesige Küche sieht mit den neuen Induktionsherdplatten und Edelstahl Abzügen aus wie gerade eingebaut und fast jeder Bewohner zaubert hier ein Essenshighlight nach dem nächsten, Spaghetti mit Soße ist hier Fehlanzeige. Wenig ambitioniert verabschieden wir uns und essen erstmal einen Burger zur Stärkung. Bevor wir mit dem Sightseeing beginnen, widmen wir uns erst einmal einer anderen Mission. Nachdem Natalie unsere Sony Kamera inklusive zwei Objektiven geschrottet hat (dumme Idee mit der Kamera in der Hand bei Eis und Schnee einen Berg hoch zu rennen), muss eine Neue her! Und obwohl Australien wirklich kein günstiges Pflaster ist und so ziemlich in Allem teurer als Deutschland, kann man hier aus irgendeinem unerfindlichen Grund recht günstig Elektronik shoppen. Wahrscheinlich ist die Nähe zu Asien ausschlaggebend. Gesagt, getan und nach kurzer Zeit können wir unseren Stadtrundgang mit neuer Kamera starten.

Jetzt endlich ein paar Fakten: In Melbourne, der Hauptstadt des Bundesstaates Victoria, leben rund 3,4 Millionen Menschen. Die Stadt ist aufgrund der Immigrationswelle der vergangenen Jahre (v.a. aus Asien) und der ganzen 8 Universitäten multikulturell. Und langweilig wird es einem definitiv nicht. Es gibt unzählige Museen, Parks, Festivals und unfassbar viele Pubs und Bars mit täglich Livemusik. Kein Wunder also, dass die englische Zeitschrift „The Economist“ Melbourne bereits mehrmals zur lebenswertesten Stadt der Welt gekürt hat. Das finden wir auch und daher bleiben wir für einige Tage in Melbourne hängen, bis wir ein passendes Relocation-Auto finden, um Australien weiter zu erkunden. Und wir haben auch tatsächlich Glück. Diesmal ergattern wir einen Toyota Hiace Camper. Er hat zwar schon einiges auf dem Buckel, über 320.000 km, aber dafür können wir jetzt für die nächsten Tage eine Küche und ein richtiges riesiges Bett unser eigen nennen. Nach einigen, recht teuren Tagen in Melbourne machen wir uns immer der Küste entlang auf in das rund 1.100 km entfernte Sydney.

Phillip Island

Wir brauchen eine Ewigkeit, um uns durch die vollgestopften Straßen von Melbourne zu schieben und nach rund zwei Stunden erreichen wir Phillip Island. Die Insel ist über eine 640 Meter lange Betonbrücke mit dem Hauptland verbunden und der größte Teil besteht aus dem Phillip Island Nature Park mit wunderschönen Naturlandschaften. Unser erst Stopp ist das Koala Conservation Centre. Das Schutzgebiet wurde inmitten eines Eukalyptuswaldes erbaut und dient als Schutz- und Rückschutzgebiet für viele Koalas die hier vor allem durch die Zerstörung ihres Lebensraums gefährdet sind. Durch den Baumspitz-Promenadenweg hoch oben in den Bäumen, hat mal tolle Möglichkeiten den Tieren ganz nah zu kommen. Außerdem gibt es ein sehr informatives Museum und schöne Wege durch den Wald, wo man bei Spaziergängen noch jede Menge andere Tiere beobachten kann, vor allem Wallabys tummeln sich hier in Scharen. Wir vergessen total die Zeit und müssen leider auf die anderen Attraktionen, wie „The Nobbies“ (beeindruckende Felsformationen), verzichten, da die Insel am späten Nachmittag für Autos gesperrt wird. Die ganze Insel ist Schutzgebiet für brütende Vögel und wir mussten echt aufpassen, dass uns in der Dämmerung nicht einer vors Auto läuft.

Wilsons Promontory National Park

Nach einer wirklich erholsamen Nacht im Camper (so bequem haben wir schon ewig nicht mehr geschlafen), setzen wir unsere Reise immer entlang der Küstenstraße fort. Obwohl es in Strömen regnet stoppen wir am Wilsons Promontory National Park, um zwei kleine Wanderung zum Squeaky Beach und zum Millers Landing zu unternehmen. Der gesamte Park liegt auf einer Halbinsel mit großen Granitvorkommen und wurde bereits 1898 zum National Park ernannt. Auf der Halbinsel gibt es mehr als 700 Pflanzenarten zu entdecken und jede Menge Tiere, wie Wombats, Wallabys, Sittiche, Emus, u.v.m. zu beobachten. Kein Wunder, dass sich hier einst auch ein Stamm der Aborigines niedergelassen hat.

Südostküste Australiens

Eigentlich besteht die gesamte Südostküste aus traumhaften, weißen Sandstränden, aber bei Woodside soll wohl ein schier endloser Strand zu bewundern sein. Und das ist auch kein Wunder, denn hier befindet sich der Ninety-Mile-Beach und der Name ist Programm. Fast 150 km ununterbrochener weißer Sandstrand laden hier zum Spazieren ein, was wir uns natürlich nicht zweimal sagen lassen.

Ninety Mile Beach Panorama

Bei unserer Weiterfahrt nach Norden kommen wir durch das kleine Städtchen Sale. Eigentlich hat der Ort nicht viel zu bieten und wir wollen nur schnell durchfahren, bis uns aber die hunderte von Gelbhaubenkakadus auffallen, fast schon wie eine Seuche belagern die Tiere hier Vorgärten, Straßen und Parks. Die Tiere leben in großen Schwärmen und verfügen über ein ausgeprägtes Warnsystem. Während der Großteil der Tiere auf dem Boden nach Nahrung sucht, bleiben einige Wächter auf den Bäumen und halten nach Gefahren Ausschau. Wenn man sich den Tieren nähert, scheuchen die Wächter den Rest der Gruppe auf. Wir schaffen es leider nur die Tiere aus dem Auto zu fotografieren, trotzdem toll was sich hier bei den Leuten so im Vorgarten tummelt.

New South Wales

Wir lassen Victoria hinter uns und fahren zum Nachbarbundesstaat New South Wales. Das kleine Örtchen Eden liegt gleich hinter der Grenze. Der Ort galt im 19. Jahrhundert aufgrund seiner Lage und seiner Bucht als wichtiger Walfängerort. Heute ist das zum Glück verboten und die Touristenmassen kommen heute nur noch zur Walbeobachtung nach Eden. Die Jahreszeit ist eigentlich auch optimal, denn im Winter schwimmen die riesigen Säuger von der Arktis zu den warmen Gewässern am Äquator. Wir haben aber leider kein Glück und bekommen außer der sehr schönen Aussicht keine Wale zu Gesicht.

Weiter nördlich gelegen kommen wir durch die beiden verschlafenen Orte Central Tilba und Tilba Tilba, eine wirklich seltsame Namensgebung. Die beiden Orte sind eine alte Goldgräberstadt mit schönen historischen Gebäuden. Heute leben hier nur wenige 100 Einwohner, vor allem Künstler und an einem Donnerstagnachmittag ist hier definitiv der Hund begraben. Leere Straße und geschlossene Läden. Dafür gibt es hier unzählige Vogelarten zu bestaunen, vor allem Papageien in den schönsten Farben.

Wir haben aber eh nicht mehr viel Zeit, da wir pünktlich in Sydney das Auto abgeben müssen. Die schöne Küstenstraße über den Tourist Drive vergeht wie im Flug und spät am Nachmittag geben wir mit schwerem Herzen unsern Camper (mit einem riesigen Steinschlag, den niemand bemerkt hat 😉 ) in Sydney zurück.

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