Maoris, Schafe, Kiwis, Kiwis und noch mehr Kiwis

Wenn wir im Nachhinein nach rund 30 Tagen Neuseeland das Land mit wenigen Worten beschreiben sollen, lässt es sich mit den Worten Maoris – Schafe – Kiwis schon recht gut zusammenfassen. Die Maori Kultur ist ein wichtiger Bestandteil der Menschen hier. Ihre Geschichte, Sprache und Traditionen sind tief in Neuseelands Kultur und Identität verankert. Im ganzen Land kann man Musikvorführungen mit angsteinflößenden Tänzen bewundern, auch beim allgegenwärtigen Rugby, kunstvolle Schmuckstücke kaufen, Geschichten und Legenden der Maori lauschen, oder einfach nur historische Stätten besuchen.
Dass die Insel das Land der Schafe ist, weiß auch jedes Kind. Man schätzt, dass auf jeden Neuseeländer rund 10 Schafe kommen. Und es vergehen wirklich keine 5 Minuten Autofahrt, in denen wir nicht an unzähligen Schafherden vorbei kommen, oder wo die Fahrt gleich mal ganz unterbrochen werden muss, weil wir mal wieder in einer riesigen Herde feststecken, die gerade die Straße überquert.
Und wieso gleich dreimal Kiwis? Weil sich die Neuseeländer selbst gerne auch als Kiwis bezeichnen. Und wir haben einige der rund 4,7 Millionen Kiwianer getroffen.
Dann ist Neuseeland natürlich auch bekannt für seine grünen Früchtchen. Zwischen Ende April und Anfang Juni ist hier die Ernte von den grünen und goldenen Kiwis voll in Gange, die überall in die Welt exportiert werden. Beim Besuch einer Kiwifarm erfahren wir dann doch noch einiges neues über die Kiwi-Frucht und sind verwundert das die meisten unserer deutschen Kiwis aus Italien kommen.
Und zu guter Letzt gibt es da noch die süßen, flugunfähigen, nachtaktiven und bedrohten Kiwi-Vögel aus der Familie der Apterygidae, das Nationaltier der Neuseeländer.
Wir machen uns also auf die Suche nach all den Kiwis, Schafen und Maoris …

Auckland

Aus Chile kommend erreichen wir nach 12 Stunden, 3 Mahlzeiten und 6 Filmen endlich morgens um 5 Uhr  Auckland und haben aufgrund der 16 Stunden Zeitverschiebung einen ziemlichen Jetlag. Nach einigen Stunden Schlaf in unserer sehr zentralen Unterkunft, aber bei einem zugegebenermaßen schrägen AirBnb Gastgeber, erkunden wir die Stadt. Auckland liegt leicht erhöht und ist von allen Seiten von Regenwald umgeben. Egal in welche Richtung man fährt, das Meer ist nie weit weg und von vielen Aussichtspunkten hat man einen super Blick auf den Punkt, wo sich das Tasmanische Meer und der Pazifik beinahe berühren. Die City grenzt direkt an das Hafenviertel Viaduct, Prince Wharf und das erst kürzlich entstandene Wynyard Quarter. Im Brittomart Viertel gibt es unzählige Bars und Restaurants. Die Stadt wirkt sehr modern, multikulturell, sauber und vor allem reich. Das sind wir nach so vielen Wochen Südamerika gar nicht mehr gewöhnt. Im Hafen liegen unglaubliche Jachten und Segelboote und nebenbei gewinnt Neuseeland mal schnell den America Cup vernichtend gegen die USA. Trotzdem hat die Stadt einen ganz eigenen Charm da zwischen all den modernen Gebäuden, an jeder Ecke alte viktorianische Kaufmannshäuser stehen. Nach zwei Tagen reichts uns dann auch, hier ist es einfach zu hip für uns, mit viel zu vielen Anzugträgern, Geschäftsleuten und Hipstern. Daher machen wir uns schon bald auf den Weg raus aus der Stadt und rein in die Natur.

Entlang von Northlands Ostküste

Gleich am nächsten Morgen holen wir unser neues Mietauto, ein Toyota Estima ab, mit dem wir in den nächsten 11 Tagen die Nordinsel erkunden wollen. Das Auto war ein richtiges Schnäppchen, das wir es als Relocation-Car (mehr Infos gibts hier) ergattern konnten. Wir mussten nur für ein paar Verlängerungstage zahlen. Obwohl das Auto eigentlich nach Süden, Christchurch überführt werden sollte, nehmen wir uns erst einmal die Nordinsel vor. Nach kurzer Fahrt sind wir schon aus Auckland draußen und erkunden Northland. Das malerisch gelegene Dörfchen Puhoi ist unser erster Stopp und erinnert uns direkt an Böhmen, das ist auch kein Wunder, denn 1863 kamen rund 200 Einwohner aus der tschechischen Republik hierher, um sich dort anzusiedeln. Obwohl es hier nicht viel zu tun gibt, legen wir einen kurzen Zwischenstopp ein, um uns in der Cheese-Factory für die nächsten Tage mit dem Preisgekrönten Käse einzudecken.

Nördlich des „magischen Mangawhai“ (so steht es wirklich auf dem Straßenschild), liegen die Mangawhai Heads. Der Strand mit weißem Pudersand zieht sich über viele Kilometer hin und ist Ausgangspunkt für eine dreistündige Klippenwanderung (Mangawhai cliff top walk), der schöne Ausblicke auf Meer und Land bietet. Die Wanderung ist klasse und es gibt wirklich wunderschöne Ausblicke auf das türkise Meer und die rauen Klippen, dazu ist hier auch fast nichts los, genau nach unserer Geschmack.

Nördlich gelegen liegt die Stadt Whangarei. Das überschaubare Stadtzentrum hat nicht gerade viel zu bieten, außer Unmengen von sehr reichen und alten Rentnern, die sich hier inmitten schöner Natur niedergelassen haben. Dafür ist der Whangarei River Walk, welcher zu den 26 m hohen Whangarei Falls führt sehr lohnenswert wie man auf den Bildern erkennen kann.

Mangawhai Panorama

Die Kultur der Maori

Früh am nächsten Morgen machen wir uns auf den Weg nach Waitangi. Der direkt am Meer gelegene Ort gilt als Geburtsort von Neuseeland (von dem holländischen Entdecker Abel Tasman nach dem holländischen Zeeland benannt). Jährlich feiern die Kiwis am 6. Februar, dem Waitangi Day, den Geburtstag ihrer Nation. Genau hier auf einer Landzunge, wurde an dem besagten Tag im Jahre 1840 der Vertrag von Waitangi, zwischen Maorihäuptlingen und der britischen Krone erstmals unterzeichnet und die Zugehörigkeit zu Großbritannien vereinbart. Im Laufe der Zeit unterschrieben 500 Häuptlinge den Vertrag, wenn es auch Herrscher gab, die sich bis zuletzt weigerten.

An der historischen Stätte befindet sich heute ein sehr interessantes Museum, die Waitangi Treaty Grounds. Außerdem ist inmitten der riesigen Parkanlage, das 1832 errichtete Treaty House. Hier lebte der britische Resident James Busby. Heute dient es als Gedenkstätte und ist Teil des Museums, in der einen Kopie des Vertrages ausgestellt ist. Im „whare runanga“, dem Versammlungshaus der Maoris werden heute traditionelle Kriegstänze (haka) der Ureinwohner vorgeführt, die wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Das Haus wurde 1940 zur Hundertjahrfeier des Vertrages fertiggestellt. Das ganze Gebäude ist mit schönen Schnitzereien verziert, die die wichtigsten Maori Stämme des Landes repräsentieren. Nahe der Bucht kann man auch ein 35 m langes Kriegskanu (waka taua) bewundern.

Nach so viel Geschichtsunterricht müssen wir uns erst einmal die Beine vertreten und wandern zu den hufeisenförmigen Haruru Wasserfällen. Der schöne Weg führt entlang des Waitangi Rivers durch dichte Mangrovenwälder.

Northlands Westküste

Dünnbesiedelt und schroff stellt sich Northlands Westküste dar, stehen doch hier riesige Kauriwälder. Das Highlight ist hier der Waipoua Forest. Der Wald wurde aufgrund des starken Drucks der Öffentlichkeit 1952 unter Naturschutz gestellt, um die andauernde Rodung der für Maori heiligen Kauribäume zu stoppen. Er ist der größte Rest der einst riesigen Kauriwälder. Ein einziger Kauribaum kann über 60 m hoch werden und einen Durchmesser von mehr als 5 m haben. Bei einer Wanderung durch den Wald entdecken wir unzählige der beeindruckenden Riesen, unter anderem den ältesten Baum (Tane Mahuta), der auf über 2000 Jahre geschätzt wird.

Weiter Richtung Süden kommen wir natürlich nicht drum rum, bei einer der unzähligen Schaffarmen zu stoppen, schließlich ist Neuseeland das Land der Schafe. Trotzdem, die Produkte von Pullis, Schuhen, Lenkradwärmer und Kosmetik sind wunderschön, aber viel zu teuer und so statten wir dem nahe gelegenen Honey Center einen Besuch ab, um uns mit leckerem Honig einzudecken. Kaum zu glauben, dass man hier Honig für über 40 Dollar kaufen kann, nicht das Kilo, eher so 100 Gramm. Der bekannte Manuka-Honig wird aus dem Nektar der Südseemyrte hergestellt und man sagt ihm allerlei Heilwirkung nach und tatsächlich ist die Südseemyrte schon seit hunderten von Jahren bei den Maori als Heilpflanze bekannt. Uns ist der Honig jedenfalls zu teuer und wir greifen auf klassischen Blütenhonig zurück.

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