Der gefährlichste Arbeitsplatz der Welt

Die Stadt Potosi war im kolonialen Spanien bekannt für ihre silberreichen Minen und zählte zu den reichsten und größten Städten der Welt. Nach Jahrhunderten der Minenarbeit hat sich das Bild natürlich gewandelt und die Stadt gehört mit ihren mittlerweile unrentablen Minen zu einer der ärmsten des Landes. Die Arbeitsbedingungen der nun in selbstorganisierten Minentrupps verwalteten Mine, zählen zu den schlechtesten der Welt. Sicherheitsstandards gibt es hier keine und viele Kumpel sterben an Staublunge oder bei Sprengarbeiten. Die durchschnittliche Lebenserwartung der Kumpels beträgt lediglich 45-50 Jahre. Während der langen Busfahrt Richtung Süden, überlegen wir lange, ob wir mit einer Tour in die Mine sollen, denn der Asbeststaub und die Sicherheitsstandards sind schon beängstigend, außerdem ist der ganze Berg durchzogen von Stollen und stark einsturzgefährdet. Da es außer der schönen kolonialen Innenstadt aber recht wenig zu entdecken gibt, schließen wir unsdann doch einer der zahlreichen Touren an.

Bevor wir aber hinabsteigen, werden wir von unserem Guide erstmal zu einem kleinen Supermarkt geschleppt. Hier sollen wir kleine Geschenke für die Arbeiter kaufen, denen wir in der Mine begegnen werden. Er macht uns aber auch schnell klar, was genau wir kaufen sollen, nämlich dass, was die Kumpels am meisten mögen: Wodka (um Freitags das Wochenende einzuleiten), eine Tüte Cocablätter, die die Arbeiter in rauen Mengen gegen den Hunger, Durst und die Beklemmung kauen, Sprengstoff (ja richtig gelesen, den müssen die Arbeiter nämlich selbst kaufen, sowie ihre Arbeitsschutzkleidung) und natürlich Zigaretten (aber nur mit Filter, Gesundheit geht vor…kein Witz). Wir entscheiden uns noch, für uns jeweils einen Einweg Mundschutz mitzunehmen um wenigstens einen rudimentären Schutz gegen den Staub zu haben. Mit unseren Tüten voller Geschenke für einen Spotpreis werden wir zu einem Schuppen gefahren, wo wir dann selbst unsere Schutzkleidung angelegt bekommen, naja, ob die wirklich schützt ist fraglich.

Schon am Mineneingang sind wir überrascht über die kleinen Hütten mit Frauen und Kindern die im Dreck spielen. Die Frauen wohnen z. T. hier und bewachen den Tag über die Habseligkeiten der Männer.

Und dann geht es endlich hinein:

Nach wenigen Schritten in der Mine kommen wir uns vor wie in einem Computerspiel. Man sieht die Hand kaum vor Augen, da die Luft voller Staub und Dreck ist. Immer wieder kommen uns komplett eingestaubte Arbeiter entgegen, die die Güterloren vor sich her schieben und immer auf ein kurzes Gespräch stoppen und weil sie natürlich irgendwelche Mitbringsel erhoffen. Wir sind absolut sprachlos über die Arbeitsbedingungen und die nicht vorhandene oder sehr rudimentäre Schutzkleidung. Nach einigen Kletterpartien durch die Minen, statten wir El Tio (Teufel), dem „Owner of the mineral“ einen Besuch ab. Er wird von den Arbeitern verehrt und es werden ihm regelmäßig Opfergaben gebracht, um ihn bei Laune zu halten. So sitzen wir beim rauchenden mit Alkohol und Cocablättern getränkten El Tio und lauschen unserem Guide. Nach etwa einer Stunde sind wir echt froh, wieder aus dem Drecksloch zu dürfen. Der Besuch der Mine ist definitiv nichts für jeden und vorallem die Arbeitsbedingungen sind erschreckend.

Eigentlich ist uns erst mal nach Duschen, aber wir haben sowieso keine Unterkunft und nutzen lieber noch die verbleibende Zeit in Potosi, um der „Casa de la Moneda“ noch einen Besuch abzustatten. Hier stellten die Spanier von 1575-1773 Münzen her, einer von nur 4 Orten im kolonialen Spanien, Silber gab es ja ausreichend aus den umliegenden Minen. Das heutige Museum ist sehr interessant und wir lernen hier den Ursprung des $ Zeichens kennen. Auf den Münzen wurde immer der Prägeort notiert. Da das ausgeschriebene Potosi zu viel Platz auf den kleinen Münzen in Anspruch genommen hat, hat man die sechs Buchstaben übereinander geschrieben. Das war zugegebenermaßen recht unübersichtlich, dass man sich auf die letzten beiden (S und I) beschränkt hat. Wieder was gelernt 🙂

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