Ostern in der trockensten Hauptstadt der Welt

Peru wir kommen: Mit einem unguten Gefühl verlassen wir mit dem Nachtbus den stark überschwemmten Süden Ecuadors in Richtung Peru. Hatten wir doch in den letzten Tagen von anderen Reisenden sowie im Fernsehen viele Berichte über die schlimme Lage im Norden Perus gehört. Entgegen der Erwartungen erreichen wir am frühen Morgen planmäßig Piura, eine kleine Stadt im Norden des Landes. Kaum aus dem Bus gestiegen sehen wir dann aber auch direkt die ganzen Folgen des Hochwassers, das in Kolumbien mehrere hundert Todesopfer gefordert, sowie schwere Schäden in Ecuador und Peru verursacht hat: Überflutete Straßen, kein sauberes Trinkwasser, kaputte Häuser, überall Schlamm, weggeschwemmter Dreck, eingebrochene Straßen. Hier hatte aufgrund des Klimaphänomens El Niño wochenlang starker Regen die ansonsten recht trockene Region heimgesucht.
Trotz der Lage ist uns nach der langen Busfahrt erstmal nach Frühstück. Mit unserer neuen Busbekanntschaft, Wei aus China (krasser Typ, aber das ist eine andere Geschichte), gehts zum nächstbesten Cafe. Als uns aber die Cafebesitzerin erzählt, dass sich seit einigen Wochen, aufgrund der Feuchtigkeit, Malaria, Dengue Fieber, Zika und Co ausbreiten, beschließen wir kurzerhand den Norden Perus ausfallen zu lassen und uns direkt mit dem nächsten Bus in das südlich gelegene Lima aufzumachen, wo die Situation weitaus entspannter sein sollte, immerhin die trockenste Hauptstadt der Welt.
Wir stellten uns trotzdem auf eine weitere lange Nacht im Bus ein, der Weg nach Lima ist lang und der erste Teil der Strecke kann auch stark von den Regenfällen in Mitleidenschaft gezogen worden sein, da uns von Erdrutschen auf der ganzen Strecke berichtet wurde. Allerdings haben wir mal wieder Glück, alle Straßen waren zwischenzeitlich freigeräumt und wir erreichten planmäßig nach rund 16 Stunden Lima. Nachdem wir in der Backpackerabsteige Grand Hotel eingecheckt haben (kein Witz) schließen wir uns wieder einer Free Walking Tour durch die Stadt an. In unseren Augen der schnellste und einfachste Weg sich einen Überblick zu verschaffen und mittlerweile fast schon eine kleine Tradition.

Mit rund 9 Millionen Einwohner ist Lima mit großem Abstand die größte Stadt Perus und ein riesiger Moloch. Wir starten unsere Tour vom Plaza de Armas aus, besichtigen die Kathedrale, in der Francisco Pizarro begraben ist. Er hat die Stadt 1535 gegründet. Wir wandern durch unzählige Parks, Kirchen und natürlich das historische Zentrum, das nach den wirklich hässlichen Außenbezirken mit vielen alten Kolonialbauten beeindruckt. Unsere Tour endet in der Nähe des Monesterio de San Francisco in dem wir die Katakomben besichtigen. Zur Kolonialzeit wurden hier tausende von Menschen beerdigt und noch immer kann man ihre kunstvoll angeordneten Gebeine bestaunen. Außerdem hat es eine unglaublich wunderschöne uralte Bücherei, die direkt an Harry Potter erinnert. Leider ist Bilder machen verboten ;-(

Nach so viel Kultur brauchen wir erst einmal eine Stärkung und die genehmigen wir uns bei einem eiskalten Pisco Sour. Bei dem Nationalgetränk handelt es sich um einen Cocktail, der aus Pisco (Traubendestillat, kein Trester), Limettensaft, Zucker und Eiweiß besteht. Das Getränk ist nach der peruanischen Stadt Pisco benannt, wobei seit vielen Jahren ein Streit um den wahren Ursprung des Cocktails zwischen Chile und Peru herrscht.

Der nächste Tag ist Ostersonntag und wir machen uns früh auf Richtung Kathedrale, um die Osterprozession nicht zu verpassen. In dem katholischen, tief religiösen Südamerika fällt der Gottesdienst natürlich auch dementsprechend aufwendig aus. Eine Blaskapelle begleitet die Prozession der riesigen, tonnenschweren (kein Witz) Marienstaturen die durch die Menschenmassen in die Kathedrale getragen werden. Das Prozedere zieht sich in die Länge, aber die Weirauch geschwängerte Luft versetzt alle sowieso in eine Art Trance. Trotzdem reicht es uns nach 20 Minuten und wir sind total stoned. Wir ziehen weiter Richtung China Town und landen mal wieder in einer der unzähligen Markthallen Limas, wo es einfach das frischste und günstigste Mittagessen (Almuerzo) gibt.

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