Auf den Spuren von Charles Darwin

Santa Cruz: Früh am Morgen nehmen wir die erste Fähre zur Nachbarinsel. Die Insel ist die zweitgrößte Galapagosinsel und relativ touristisch. Zu unserer Überraschung, müssen wir aber schon eine Stunde vor Abfahrt am Hafen sein. Schnell wird klar warum. Genau wie am Flughafen, werden auch hier wieder alle Gepäckstücke auf Früchte, Samen, etc. durchsucht, um zu vermeiden, dass fremde Arten auf den Inseln eingeschleppt werden und so das empfindliche Ökosystem stören. Das wollen wir natürlich nicht und so nehmen wir die Wartezeit gerne in Kauf.

Die zweistündige Fahrt auf den kleinen Schnellbooten ist relativ wacklig und Natalie wird es wie gewohnt mal wieder flau im Magen, weswegen wir froh sind im Hafen von Puerto Ayora anzukommen. Gleich nachdem wir unser Hostelzimmer bezogen haben machen wir uns auf den Weg zur Charles-Darwin-Forschungsstation. Neben der Erforschung der Ökosysteme im Galapagos-Nationalpark, besteht ihr Ziel in der Bewusstseinsbildung der Besucher für das fragile Gleichgewicht der Natur in diesem einzigartigen Naturparadies. Die Station wurde 1964 gegründet und mittlerweile beschäftigte sie über 200 Forscher aus der ganzen Welt. In dem durchaus interessanten Besuchermuseum, lassen sich wieder jede Menge Schildkröten und Darwinfinken beobachten. Ein Pfad durch die Trockengebietsvegetation hinter dem Besucherzentrum führt an Magroven und Kaktusfeigen vorbei, auch lassen sich Drusenköpfe und Schildkröten beobachten. Außerdem haben wir ziemlich Glück, denn erst seit einigen Wochen kann man in einem sehr gut gekühlten Raum den einsamen George (Lonesome George) besuchen. Die Schildkröte wurde 1971 auf der Insel Pinta entdeckt und zählt zur Unterart der Pinta-Riesenschildkröten (Sattelschildkröte). Unglücklicherweise war George der letzte Vertreter seiner Gattung, er wurde ca. 100 Jahre alt und wog etwa 90 kg. Er starb am 24. Juni 2012. Nach seinem Tod wurde das Tier aufwendig präpariert und im Naturkundemuseum in New York ausgestellt bevor es vor einigen Wochen wieder in seine Heimat zurückgebracht wurde. Wir verlassen betrübt den Kühlraum und machen uns zu dem kleinen Sandstrand Playa Estacion auf und freuen uns über jede lebende Schildkröte am Rand und sind froh, dass sie hier einen Platz gefunden haben um ungestört aufzuwachsen.

Am nächsten Morgen lernen wir zwei ältere Holländer kennen und da wir einfach noch nicht genug haben von den riesigen Tieren, beschließen wir, uns ein Taxi zum rund 25 km entfernten El Chato Tortoise Reserve zu teilen. Das Reservat schütz Riesenschildkröten in freier Wildbahn. Es gibt hier auch einen giftigen „Manchinelbaum (Manzanillo), der deutlich mit dem Schild „toxico“ (giftig) gekennzeichnet ist. Der Verzehr der verlockenden Früchte ist tödlich und auf Berührungen des Baumes sollte besser verzichtet werden, weil Haut und Augen stark gereizt werden können. Dieser Baum gehört zu den giftigsten Pflanzen der Erde. Er ist aber vom Aussterben bedroht. Das Taxi fährt uns weiter zu zwei Zwillingskratern, den Los Gemelos. Genau genommen handelt es sich nicht um Krater, sondern um Einsturzlöcher. Die Löcher lassen sich nicht besteigen, aber man hat einen tollen Blick auf eine beeindruckende Fauna, inmitten von Scalesia-Wäldern. Diese wie Bäume aussehende Pflanze zählt genau genommen zu den Korbblütlern und ist eine Verwandte der Sonnenblume. Nur wird sie rund 15 Jahre alt und viel größer als die Sonnenblume. Allerdings hat die Pflanze kaum Wurzeln und bricht daher bei jeder Gelegenheit um (Wind, Regen, …). Aber sie ist auch das Zuhause der Baumfinken, die man hier gut beobachten kann. Das Taxi bringt uns weiter zu dem unterirdischen Lavatunnel „Panchita“. Dieser ist 400 Meter lang und hat an jedem Ende einen Einstieg. Mit reichlich Stirnlampen ausgestattet durchwandern wir den Tunnel. Ein solcher Lavatunnel entsteht, wenn die dünnflüssige Lava beim Ausbruch des Vulkans in einer Art Rinne den Vulkanhang hinabfließt, an den Rändern und an der Oberfläche erstarrt, während unterhalb der Oberfläche die Lava weiter fließt. Beim ausfließen und erstarren der restlichen Lava bleibt dann ein Hohlraum zurück.

Isla Pinzón und Isla Daphne Mayor:

Nur fünf der knapp 70 Galapagosinseln sind bewohnt, daher beschließen wir nach den zwei letzten bewohnten Inseln, uns mal die Unbewohnten anzusehen. Pinzón und Daphne Mayor liegen nicht weit von der Insel Santa Cruz entfernt, da man sie aber nicht begehen kann und schon gar nicht auf eigene Faust dort hingelangt, buchen wir in Puerto Ayora eine ganztägige Schnorcheltour. Mit auf unserem Boot ist ein älteres Ehepaar, die gerade ihre in Kolumbien lebende Tochter (in unserm Alter) besuchen und auf den Galapagosinseln gerade zusammen Urlaub machen. Schnell stellt sich heraus, dass alle drei auch Biolehrer sind und so hatten wir schnell ein gemeinsames Thema.

Das Boot bringt uns zu beiden Inseln und den ganzen Tag haben wir Zeit, um um beide Inseln herumzuschnorcheln. Das Wasser ist kalt, aber so klar, dass wir unfassbar viele Tiere hautnah zu Gesicht bekommen. Wir schnorcheln mit Haien, Meeresschildkröten, riesigen Fischschwärmen, Seelöwen und Rochen. Die Unterwasserwelt ist so faszinierend, dass wir im Wasser total die Zeit vergessen. Erst am nächsten Morgen merken wir an dem fetten Sonnenbrand, wie lange wir doch im Wasser waren. Mit hunderten von Unterwasserfotos verlassen wir das Boot und sind uns sicher, dass dies nicht der letzte Schnorchelgang war.

Am Abend verabreden wir uns noch mit den Lehrern am Hafen auf ein Bier, um die Schwarzflossenriffhaie im Wasser zu beobachten. Die Tiere kommen jeden Abend in Massen nach Einbruch der Dunkelheit in die Bucht und so haben wir einen netten Abend bei Bier und Haien.

Isla Isabela:

Von Santa Cruz nehmen wir wieder eine Fähre, die uns zur größten aller bewohnten Inseln, Isla Isabela, bringt. Auf der Insel gibt es fünf aktive Vulkane und gerade mal 2.500 Menschen die hier leben. Die meisten von ihnen leben an der Südküste im größten Ort Puerto Villamil. Dort legt auch unser Boot an und wir sind überrascht, wie klein doch der Hauptort der Insel ist. Eigentlich eher ein eingeschlafenes Kaff mit ein paar Hostels, Restaurants und einigen kleinen Supermärkten. Das gesamte Trinkwasser der Insel muss sogar mit Booten von Santa Cruz hergebracht werden.

In Puerto Villamil sind richtige Straßen übrigens Fehlanzeige, es gibt nur sandige Wege durch den Ort, aber mehr braucht man auch nicht, da hier sowieso fast keine Autos fahren, abgesehen von ein paar Taxis. Eines von diesen gabelt uns auch direkt am Hafen auf und bietet uns an, uns kostenlos in das rund zwei Kilometer entfernte Zentrum zu fahren. Wir steigen mit unserem ganzen Gepäck dankbar ein, aber schnell wird klar, woher der Wind weht. Er fährt uns umgehend zur Pension seiner Mutter, die schon an der Tür auf uns wartet und uns ohne zu fragen in das schon fertige Zimmer führt. Aber da wir sowieso keine Lust auf Zimmersuche hatten und der Preis in Ordnung war (wir konnten ihn sogar noch runterhandeln) haben wir das Zimmer gebucht.

Am ganzen Ort entlang verläuft der riesige weiße Sandstrand Playa Grande. Der Strand führt bis zur Lagune Villamil, in der Flamingos und Meerechsen leben. Außerdem gibt es hier unzählige furchtlose und sehr neugierige Watvögel, über 20 Arten wurden hier gesichtet. Über einen hölzernen Steg führt der Weg weiter durch dichte Mangroven bis hin zum Centro de Crianza de Tortugas. In diesem Brutzentrum gibt es unzählige süße, winzige Baby-Riesenschildkröten zu bestaunen. Freiwillige Mitarbeiter versuchen den Bestand auf der Insel zu vergrößern und die Tiere vorm Aussterben zu bewahren.

Wir wandern immer weiter am Strand entlang. Die Hitze ist fast unerträglich und außer Wasser und Sand gibt es nichts zu sehen. Wir hatten schon fast beschlossen wieder umzudrehen, als wir plötzlich hinter einem Felsen eine riesengroße Blaufußtölpel-Kolonie entdeckten. Die braun-weißen Wasservögel sind eher unscheinbar, wären da nicht ihre blauen Füße. Wissenschaftler haben zwei Ursachen dafür herausgefunden. Zum einen befinden sich unter der Oberhaut ihrer Füße und Schwimmhäute bestimmte Collagenfasern, die verstärkt bläuliches Licht reflektieren. Zum anderen rührt die Blaufärbung von Carotinoiden, besonderen natürlichen Farbstoffen, die mit der Nahrung aufgenommen werden. Das bedeutet, je erfolgreicher die Vögel bei der Jagd nach Fisch sind, desto intensiver ist das Blau und umso einfacher ist die Partnersuche. Setzt man die übrigens Tiere auf Diät, verblasst das Blau innerhalb von zwei Tagen.

Am nächsten Morgen buchen wir wieder eine Schnorchel Tour, diesmal aber mit Kajak. Wir paddeln uns eine gute halbe Stunde weg vom Strand, aber das Wasser ist hier nicht so klar, wie bei unserer letzten Tour. Trotzdem sehen wir nicht weniger Tiere und wir können wieder mit Schildkröten, Seelöwen und Haien schnorcheln. Auf dem Weg zurück sehen wir dann aber doch noch ein absolutes Highlight. Auf einem Felsen im Wasser neben uns sitzen zwei Galapagospinguine. Vor langer Zeit sind sie von der Antarktis mit der Humboldtströmung eingewandert. Heute sind sie die am weitesten nördlich lebenden Pinguine der Welt und gehören der einzigen Pinguinart an, die in den Tropen lebt. Außerdem sind sie weltweit die zweitkleinste Pinguinart (die kleinsten leben in Neuseeland). Wirklich winzig und süß. Noch vor einigen Jahren lebte hier eine riesige Kolonie, aber durch die vielen Touristen, haben sich die Tiere in immer weiter entfernte und ruhigere Buchten zurückgezogen.

Von Isla Isabela geht es mit der Fähre zurück zur Insel San Cristóbal, wo wir wieder zurück zum Festland fliegen müssen. Die 9 Tage auf den Inseln vergingen viel zu schnell. Und weil ja alle guten Dinge drei sind, wurde Natalie ein drittes Mal am Flughafen ausgerufen. Eigentlich hatte sie extra vorher das Schuhspray zu Nils in den Rucksack gesteckt, um diesmal verschont zu bleiben. Aber das störte die Beamten nicht. Sie hatten Muscheln in ihrem Gepäck entdeckt, die Natalie Monate vorher in den USA gesammelt hatte. Zum Glück erkannten die Mitarbeiter, dass es sich nicht um Galapagos-Muscheln handelte und daher: Ende gut, alles gut 🙂

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