Dom. Rep. – All Exklusive

Besoffene Touristen, überfüllte Strände und reihenweise dreckige Hotelanlagen. Eigentlich hatten wir immer unsere Vorurteile gegenüber der Dominikanischen Republik und wir waren uns sicher, da wollen wir nie hinfahren. Aber wie es der Zufall so will, gab es genau auf diese Insel die günstigsten Flüge und wir mussten ja dringend zwecks Visum Puerto Rico verlassen.

Wir beschlossen, wenn schon Dom. Rep., dann wenigsten nicht wie die Standardtouristen in einer hässlichen Hotelanlage, sondern All-Exclusiv und auf eigene Faust.

Die ersten Tage verbringen wir in der Hauptstadt Santo Domingo. Die Stadt ist riesig und der Verkehr ist so verrückt, dass wir beschließen uns in der Stadt lieber mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fortzubewegen. Jeder der schon mal in der Dom. Rep. unterwegs war kennt sie, die kleinen, verkehrsuntauglichen und überfüllten Busse sog. Guagua’s. Unser Rekord liegt bei 19 Personen in einem 9-Sitzer, also sollte man keine Angst vor Körperkontakt haben. Dafür sind die Fahrten wirklich spottbillig und für umgerechnet 30 Cent kommt man ans Ziel. Alternativ hält man wahlweise auch eines der unzähligen Moppets (Motoconcho) an, die uns für wenig Geld überall mit ihrem rasanten Fahrstil hinkutschieren (ja zu dritt oder gar zu viert ist hier kein Problem – ohne Helme natürlich). Wir schlagen uns mit unseren drei Brocken Spanisch bis an den Rand der Altstadt durch. Dort befindet sich Los Tres Ojos (dt. = Die drei Augen) Nationalpark. Die Augen sind der eingestürzte Teil eines Höhlensystems mit Wasserläufen. Insgesamt sieht man hier 3 Teiche und eine wunderschöne Tropfsteinhöhle, in die man mit einem Floß hineinfahren kann, was wir uns natürlich nicht nehmen lassen. Neben der bis dahin echt dreckigen, armen und gefährlich wirkenden Stadt ist dies wirklich ein kleines Paradies inmitten der Millionenstadt.

Von dort aus geht die Fahrt mit dem Bus in die historische Altstadt. Die Stadt besitzt einen komplett erhaltenen kolonialen Altstadtkern mit mehr als 500 Gebäuden aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Diese Zona Colonial gehört seit 1990 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Besonders beeindruckend ist die Catedral de Santa Maria la Menor. Diese Kathedrale gilt als die erste in Amerika. Sie wurde 1523 erbaut und im Jahre 1877 fand man in dieser Kathedrale das Grab von Christoph Kolumbus. Wir verbringen noch den ganzen Nachmittag in den alten Gassen, bevor wir uns am Abend wieder zurück zu unserer Unterkunft aufmachen. Diese liegt außerhalb der doch zugegeben hübschen Innenstadt. Hier wirken die Straßen wirklich nicht besonders einladend und wir haben im Vorfeld viele Horrorgeschichten gehört, dass es hier gefährlich werden könnte. Wir versuchen es trotzdem und laufen ein wenig durch „unser“ Viertel. Uns passiert nichts weiter und wir schaffen es sogar ein paar Brötchen und eine Papaya zu kaufen.

Nach ein paar Tagen in der Stadt beschließen wir das Land etwas weiter zu erkunden und da die öffentliche Verkehrsanbindung nicht wirklich zuverlässig funktioniert, muss mal wieder ein Auto her. Autos sind zum Glück auf der Insel leicht und günstig zu bekommen, da es unter all den Pauschaltouristen wenig Nachfrage für Mietautos gibt.

Die erste geplante Fahrt mit unserem Hyundai i10 soll einmal quer durchs Land über die Berge an die Nordküste gehen. Allerdings dauert es noch keine 10 Minuten und wir haben ein unfreiwilliges Treffen mit der Polizei. Wir haben im Vorfeld schon einige Male davon gehört und gelesen, dass die Polizei hier ziemlich korrupt ist, aber das sie so dreist sind hätten wir nicht geglaubt. Scheinbar sind wir unerlaubterweise an einer Kreuzung abgebogen (stimmt nicht ist aber auch egal), natürlich ein gefundenes Fressen für die Polizei wenn dann noch ein „reicher“ Touri im Auto sitzt. Die angefragte Strafe von 40$ war dann auch ganz schön happig (zum Vergleich, unsere Unterkunft mit Pool kostete 12 pro Tag). Nils war zum Glück super hartnäckig und hat 10 Minuten nichts anderes gemacht außer „no hablo espanol“ den ununterbrochen spanisch redenden Polizisten zu antworten, die natürlich kein Wort Englisch verstehen. Wir hatten vorgesorgt und unser gesamtes Geld (bis auf 10 €) aus dem Geldbeutel entfernt. Irgendwann haben sie dann die 10 € genommen und uns genervt weiterfahren lassen, also sind wir doch noch günstiger aus der Sache rausgekommen. 🙂 Mit etwas mehr SItzfleisch kommt man bestimmt auch ohne was zu zahlen weiter.

Nach dem unfreiwilligen Stop fahren wir weiter Richtung Cabarete, wo wir uns in den Bergen eine mega günstige Ferienwohnung gebucht haben. Wir werden von Peter, einem ausgewanderten Deutschen recht unfreundlich empfangen (die Sprüche von dem Typ waren echt RTL 2 Niveau). Zum Glück teilt er uns mit, dass wir die einzigsten Gäste sind und wir die neue Anlage für uns ganz alleine haben.

Diese Vorfreude war allerdings ziemlich schnell verflogen, als Nils am ersten Morgen mit Übelkeit aufwachte. Natürlich hatten wir kein Leitungswasser getrunken, aber offensichtlich hatte das Zähneputzen schon ausgereicht um Nils für einen Tag flach zu legen. Und weil es so schön ist hat es dann Natalie auch noch am nächsten Tag erwischt. Am dritten Tag und nun völlig immun gegen das hiesige Wasser, starten wir dann endlich mit der Erkundung des Landesinneren. Die Top ausgebauten Küstenstraßen waren noch kein Problem für unseren Hyundai, gegen das Landesinnere, war Puerto Rico aber Kindergarten. Die Straßen im Inland hatten zum Teil riesige Löcher, Erdrutsche, abgebrochene Straßen usw. Natürlich kam wie immer Nils Standardspruch „das geht schon“ und warum auch den längeren Weg über die ausgebaute Straße nehmen, wenn es auch ein viel kürzen Weg gibt, also ab ging die Fahrt. Tatsächlich haben wir es auch eine gute halbe Stunde geschafft, uns den Weg durch kleine abgelegene Orschaften zu bahnen, wo es keine Touristen gab. Aber es kam, wie es kommen musste irgendwann haben wir uns dann doch total festgefahren und es ging nichts mehr (Top Gear wäre stolz auf uns gewesen). Es hat aber keine 2 Minuten gedauert und uns kamen Einheimische zur Hilfe und haben uns aus dem Matsch- und Gülleberg wieder rausgeschoben. Uns war es Mega unangenehm, da sich alle mit den durchdrehenden Reifen ziemlich schmutzig gemacht haben (die schönen rosa Schuhe). Wir haben dann doch beschlossen lieber die mehr oder weniger ausgebaute Straße zu nehmen und die Fahrt ging weiter nach Loma Isabel de Torres. Auf diesem 800 Meter hohen Berg der sich genau hinter Puerto Plato befindet, gibt es einen botanischen Garten der aufgrund der außergewöhnlichen Tier- und Pflanzenwelt zum Naturschutzgebiet erklärt wurde. Außerdem befindet sich auf dem Berg auch die Nachbildung der Christusstatue von Rio de Janeiro (natürlich viel viel kleiner) und man hat hier oben einen wunderbaren Blick auf die Stadt und das Meer.

In den verbleibenden Tagen erkunden wir noch das Umland und legen auch einen Stopp in der Touristenhochburg Sosua ein. Der Strand ist so überfüllt, dass wir nur für ein Foto bleiben und dann wieder schnell das Weite suchen. Viel schöner und auch viel ruhigere Ecken finden wir auf Samana. Die Halbinsel überwältigt uns mit ihrer abwechslungsreichen Landschaft und wunderschönen einsamen Buchten.

Die Dom. Rep. ist definitiv das Mallorca der Karibik, aber wenn man die Hauptstraßen und die Touristenhochburgen verlässt und ins Landesinnere fährt, kann man auch hier wunderschöne Ecken und viele nette hilfbereite Menschen kennenlernen. In größeren Städten ist allerdings Vorsicht geboten, die Leute sind wirklich arm und ein „reich“ aussehender Touri kann hier immer mal Begehrlichkeiten wecken. Davon abgesehen sind die meisten Städte sowieso nicht sonderlich sehenswert, also lieber raus in die Natur.

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