Über die Highlands zum Wolkenpass

Da Lat – Südwestliche Highlands

Geplagt von der schwülen Hitze machen wir uns vom tiefen Süden Vietnams auf den Weg Richtung Norden in das bergige Da Lat. Da es auf der Strecke nicht viel zu sehen gibt, entscheiden wir uns für einen Schlafbus, wie schon so oft in Südamerika. Und wir sind absolut überrascht, denn im Gegensatz zu Bolivien und Co heißen die Busse hier „ Hotelbus“ und das mit Recht. Denn hier muss man nicht für die nächsten 8 oder mehr Stunden auf einem engen Sitz verharren, sondern man hat eine richtige gerade Liegefläche. Und weil wir zum Glück auch so klein sind, können wir uns (fast) voll ausgestreckt hinlegen. Ok, Kakerlaken im Bus gibt es hier auch, aber trotzdem, wir kommen relativ ausgeruht am nächsten Morgen in Da Lat an. Die Stadt liegt in den südwestlichen Highlands von Vietnam auf einer Höhe von 1500m und wurde von den Franzosen gegründet, die die hohe, kühle Lage, ähnlich wie wir, schätzen. Im Ort gibt es etliche Überbleibsel der französischen Kolonialzeit zu bestaunen, aber ist man mit den alten Häusern und Gärten erstmal durch, bietet die Stadt nicht allzu viel und wir mieten uns lieber einen Roller, um das Umland zu erkunden. Die Zweiräder sind das beste Fortbewegungsmittel in Asien und unschlagbar billig. Wir bekommen unser Bike für gerade mal 3,8 € für einen ganzen Tag inkl. Sprit (so haben wir das zumindest verstanden, aber dazu später mehr). Aufgrund der Höhe werden hier auf den umliegenden Farmen Schnittblumen kultiviert und nicht Reis, wie im restlichen Land. Schon nach rund 20 km außerhalb der Stadt, gibt es dann eine Reihe an Attraktionen für uns zu besichtigen: Eine Seidenfarm mit Raupenverkostung und ausgiebigem Shopping, die Linh An Pagode, ein schöner alter Tempel, die Elephant Falls zu denen eine kleine Wanderung führt und zu guter Letzt eine Heuschrecken Farm mit Reiswein und frittiertem Heuschrecken-Snack. Übrigens schmecken uns gegrillte Insekten deutlich besser wie gekochte z.B. matschige Seidenspinnerraupen, aber das nur nebenbei. Nach einem schönen Tag im Umland beschließen wir gegen Nachmittag uns wieder auf den Heimweg zu machen. Wie gut, dass wir noch Sprit haben, trotz kaputter Tankanzeige… denkste! Natürlich wird der Roller ohne Sprit vermietet (bzw. mit nur wenig Restsprit im Tank) und wir bleiben mitten im Nirgendwo stehen, die nächste Tanke ist laut Handy auch noch 5 Kilometer weg, also heißt es wohl schieben und hoffen das es oft bergab geht. Im Vergleich zum restlichen Südostasien sind die Vietnamesen nicht unbedingt für ihre Freundlichkeit bekannt aber hier werden wir das erste Mal eines besseren belehrt. Nach ca. 1km schweißtreibendem Schieben kommen wir an einer kleinen Siedlung vorbei und eine alte Frau versucht sich gestikulierend mit uns zu unterhalten. Siehe da wir verstehen uns prächtig und bekommen erstmal einen halben Liter Benzin geschenkt, mit dem wir es problemlos zur Tankstelle und nach Da Lat schaffen. Nach einem kurzen Stopp im Flower Garden von Da Lat, haben wir unseren letzten Abend lange auf dem Nachtmarkt zwischen all den Essensständen ausklingen lassen. Von Heuschrecken und Seidenraupen wird man schließlich nicht satt.

Nha Trang

Unser nächster Stopp ist die recht große Küstenstadt Nha Trang. Die Stadt ist ein richtiger Touristen-Magnet, nicht zuletzt wegen des langen weißen Sandstrandes. Bereits die Franzosen in der Kolonialzeit, liebten diese Region und bezeichneten sie als „Nizza des Ostens“. Und wie es der Zufall so will lernen wir hier zwei sehr nette Pariser kennen, Louis und Alex. Louis hat vietnamesische Wurzeln und spricht glücklicherweise sogar noch ein wenig die Sprache. Daher lassen wir uns das Angebot natürlich nicht entgehen, den Tag mit ihnen in der Stadt zu verbringen, bevor es am Abend mit dem Nachtbus weitergeht. Wir besichtigen Märkte, Tempel, das berühmte Pasteur Institut mit dem Alexandre-Yersin-Museum, den Strand, eine katholische Kathedrale und zu guter Letzt werden wir noch zum verstecktesten Restaurant in der ganzen Stadt geführt, das laut Louis die besten „Nem Nuong“ hat. Reispapierrollen, gefüllt mit frischen Kräutern, Fleisch und Ingwer. Sehr lecker! Der Abend kommt und weiter geht es wieder mit dem Nachtbus, Nha Trang selbst ist uns mit den ganzen Riesenhotels doch zu touristisch und vor allem zu teuer.

Hoi An

Unser nächstes Ziel ist das etwas weiter nördlich gelegene Hoi An, das für seine historische Innenstadt, die als einzige in Vietnam vom Krieg verschont wurde, weltbekannt ist. Erstmal müssen wir aber die Nacht im Bus überstehen, diesmal gar nicht so einfach, ist der Bus doch gnadenlos überfüllt und von Kakerlaken bewohnt. Wie immer werden alle Touristen, die wahrscheinlich das doppelte für’s Ticket gezahlt haben, besser behandelt und bekommen ihren sicheren Liegeplatz. Die meisten Einheimischen kauern dagegen irgendwo in den engen Gängen auf dem Boden und wirken trotzdem alle sehr glücklich und zufrieden und keiner beschwert sich, asiatische Gelassenheit eben. Wir kommen erstaunlich entspannt und sehr früh in Hoi An an und obwohl die Sonne erst vor kurzem aufgegangen ist, ist es schon unerträglich warm. Trotzdem suchen wir uns schnell eine Bleibe für die kommende Nacht und starten dann unseren Rundgang durch die Stadt. Hoi An liegt ebenfalls direkt an der Küste, jedoch ist der Ort viel kleiner als Nha Trang. Trotzdem befand sich hier einst der größte Hafen von Südostasien, direkt an der Seidenstraße gelegen, doch durch die Versandung des Hafens musste diese Rolle an das nahegelegene Da Nang abgegeben werden.

Die Altstadt, bereits im 4. Jhd. von den Cham gegründet, zählt heute zum UNESCO Welterbe und hat einen wirklich schönen Stadtkern zu bieten. Wir streifen stundenlang durch die Altstadt, vorbei an schönen alten Häusern, Denkmälern und Tempeln. Eigentlich muss man Eintritt für die Innenstadt bezahlen aber es geht auch wunderbar ohne Eintrittsticket solange man nicht die zahlreichen Tempel und chinesischen Versammlungshallen besichtigen will. Neben dem historischen Teil ist Hoi An noch als Lederstadt bekannt und an fast jeder Ecke gibt es einen Lederhändler der Leder in allen Mustern und Farben verkauft und selbstgemachte Lederwaren anbietet. Uns gefällt es ziemlich gut in Hoi An und wir bleiben ein paar Tage, klar geht es aber in einer Welterbe Stadt nicht auch ohne die typische Touriabzocke. Vor allem die gefühlt 1 Million Schneiderein, die alle damit werben, dir innerhalb eines Tages einen Maßanzug zu schneidern, oder den Damen ein hübsches Kleidchen, nerven zunehmend. Man muss nur ein Foto seines Lieblings-Stars mit Wunschgarderobe abgeben, Stoff und Farbe auswählen und los geht’s. Leider sind diese Händler so aufdringlich, dass wir uns dann wie so oft, doch wieder auf den Food-Markt flüchten. Ein extrem leckerer Salat „Goi Tron“ hat es uns dort  besonders angetan. Erst abends im Hotel googeln wir, was wir alles gegessen haben und die vermeintlichen weißen Krautstreifen entpuppen sich als Schweinehaut – naja was soll’s, es hat trotzdem super geschmeckt…mhh Schweinehautsalat.

Die Abende in Hoi An genießen wir bei einem sehr günstigen Bia Hoi (selbstgebrautes Lager Bier: die Halbe für gerade mal 18 Cent) am Fluss Thu Bon, der sich mit Einbruch der Dunkelheit in ein reinstes Lichtermeer verwandelt. Unzählige Menschen lassen ihre bunten Lichterboote zu Wasser. Trotz der ganzen Touristen, ein tolles Fotomotiv.

Hai Van Pass

Am nächsten Morgen ist es Zeit für die nächste Etappe, Hue ist unser Ziel und angefixt von der zweirädrigen Fortbewegung entscheiden wir uns den Hai Van Pass auf dem Weg dorthin selbst zu überqueren. Wir haben einen Roller-Vermieter gefunden, der One-Way-Mieten im Angebot hat. Da schlagen wir zu und mieten einen Roller zur 130 km nördlich gelegenen Stadt Hue. Und das Beste, der Vermieter transportiert unsere Rucksäcke kostenlos auf einem LKW hinterher sodass wir diese Abends in Hue abholen können. 20€ für das Paket sind zwar recht teuer aber auch komfortabel.

Der Weg nach Hue führt über den berühmten Hai Van Pass. Der Pass ist oftmals in Wolken gehüllt und trägt daher auch den Beinamen Wolkenpass. Er ist die natürliche Grenze und Wetterscheide zwischen Nord- und Süd-Vietnam Und obwohl die Passhöhe gerade einmal 496 Meter beträgt, hat unser 125er Roller (mal wieder mit kaputtem Tacho) und gefühlten 2 PS ganz schön zu kämpfen. Aber die Anstrengungen lohnen sich. Oben angekommen haben wir einen super wolkenfreien Blick bis zum Ozean. Auch die restliche Route kann sich sehen lassen. Wir stoppen an den Marble Mountains, den berühmten Marmorhöhlen von Vietnam. Schon am Fuße des Felsen befinden sich unzählige Marmor Läden, die sich in der Anzahl und Größe ihrer Buddha-Figuren alle übertreffen, für knappe 4000 $ kann man hier eine 3 Tonnen schwere, feinstens gearbeitete Mamorfigur kaufen. Der Stein dazu kommt aber heutzutage vor allem aus China, da die Region in den letzten Jahren ziemlich ausgebeutet wurde und es nur noch wenig Marmor gibt. Um in die Höhle zu gelangen, muss man erst einmal den ganzen Berg nach oben, und es ist natürlich Ehrensache zu laufen und nicht den überteuerten Fahrstuhl zu nehmen. Obwohl es bei der Hitze doch schon recht verlockend ist. Oben angekommen führen mehrere Felsspalten in unterschiedlich große Höhlen- und Tunnelsysteme, alle mit Buddha-Figuren und Tempeln bestückt. Die beeindruckenste und größte ist jedoch die Tempelhöhle Huyen Khong, ein riesiger Raum, so groß und hoch wie eine Kathedrale. Durch Löcher in der Decke fällt das Sonnenlicht und man sagt, einst sind hier drei US-Bomben eingeschlagen. Nach so viel Abkühlung in den Höhlen geht unser Roller-Trip weiter und wir stoppen kurze Zeit später am Nang Beach und den Elephant Springs. Hauptsächlich Einheimische lassen es sich hier gut gehen und genießen bei bestem Wetter das kühle und klare Wasser. Hier hat Nils sein fast noch neues Handy im Bach Ma einer Wassertaufe unterzogen, was das Handy natürlich nicht so ganz gut fand.

Spät am Abend erreichen wir Hue. Wir haben zwar einen fetten Sonnenbrand, aber dafür hatten wir einen tollen Tag und unser Gepäck ist auch ohne Verluste an der Abholstation angekommen. Ein definitiv empfehlenswerter Trip.

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